Saatgut, Samen/ Anbieter

Gentechnik, Patente, Saatgut
"Sie wissen, dass wir fortgesetzt bereit sind, auf Freiheiten zu verzichten, von denen wir glauben, dass sie nichts mehr bedeuten, um uns dafür Sicherheiten einzuhandeln, von denen wir nicht wissen, dass sie nichts bedeuten."
(Rupert Riedl, Zoologe, 1925-2005)
Gentechnik- die grüne Revolution?
Schenkt man den Versprechungen und Aussagen der Genforschungsbranche und deren Befürwortern Glauben, die quasi Hand in Hand für die umsatzstärkste Branche der Welt, der Lebensmittelindustrie, an den genetischen Codes von Nutztieren- und Pflanzen forscht, stehen der Welt -vor allem der hungernden- goldene Zeiten bevor.
Die angeblich sauberen chirurgischen Eingriffe der Genforscher in die Natur, genauer gesagt in die DNA und Erbanlagen der Nutzpflanzen, sollen Ernten und Erträge insbesondere in den hungerleidenden Regionen sichern und mehren. Nutzpflanzen, die bereits in den USA in Monokulturen angebaut wurden, wie Baumwolle, Mais, Raps und Soja waren es, die als erstes genmanipuliert im großen Stil unter der Sonne sogenannter Entwicklungsländer angebaut wurden. Kleinen und armen Bauern in den Staaten Zentralafrikas, Brasiliens, Indiens und Nigers wird mit dem ertragreicheren und teureren umgebauten Saatgut ein zuverlässiges Einkommen versprochen.
Die monokulturellen "Cash Crops", ausschließlich für den Weltmarkt und den Export bestimmte Ernten, sollen es laut Weltbank und IWF, diesen armen Länder der Welt ermöglichen Devisen zu erwirtschaften, um an entsprechende staatliche Kredite zu gelangen und sich dem Niveau der Industriestaaten anzugleichen.
Bereits ein unvorsehbarer Faktor, der auch durch das teurere Gensaatgut nicht versichert ist, wie Missernte durch Extremwettereinflüsse, Schädlings-/Pilzbefall, Feuer oder der Preisverfall des Ernteguts am Weltmarkt, bringen das künstliche Konstrukt zum Einstürzen und den Bauern den sicheren Ruin.
Diese billig erzeugten Massen an genetisch veränderten Rohstoffen landen nun also nicht in den Mägen der hungernden Menschen in den anbauenden Ländern, sondern sind der Grund für immerwährende Tiefstpreisangebote von Lebensmitteln in unseren Supermarktregalen, Billigtextilien, Biosprit, der auf den Straßen in PS umgewandelt wird, oder Kraftfutter, dass in den Mägen des Schlachtviehs in der Massentierhaltung landet. Hierfür werden u. a. auch weiter rücksichtlos Regenwälder, Mangrovenwälder und andere wertvolle Biotope und einmalige Naturschätze der Erde zerstört.
Mittlerweile leiden an die 1 Millarde Menschen auf der Welt permanent an Hunger, der allerdings in den seltensten Fällen durch Naturkatastrophen ausgelöst wird und kämpfen jeden Tag um ihr Existenzminimum. Laut Aussage der WHO stehen aber Lebensmittel und Rohstoffe für das doppelte der gesamten Weltbevölkerung zur Verfügung. Das Problem liegt also nicht an der Erzeugung sondern an der Verteilung.
Laut Umfragen wird Gentechnik und deren Anwendung von der überwiegenden Mehrheit der Deutschen und Europäer abgelehnt, obwohl gentechnisch veränderte Organismen über das Tierfutter, Soja, Mais (erzeugte Speisestärken für die Lebensmittelindustrie) und Enzyme schon längst den Weg in unsere Nahrung gefunden haben. Die laxen Deklarationsvorschriften für industriell gefertigte Lebensmittelprodukte tun hier ihr übriges hinzu. 2006 wurden 1.000 ha. genmanipulierter GM-Mais in Deutschland angepflanzt, der übrigens Verwendung in einem schwedischen Bier findet.
Es ist also erheblich daran zu zweifeln, ob Gentechnik in diesem Zusammenhang, neben den desaströsen ökologischen Auswirkungen und Folgen durch die Ausbringung von Pestiziden, Herbiziden und Turbodüngern und den unkalkulierbaren langfristigen Auswirkungen genmanipulierter Organismen auf die Umwelt und den Menschen, tatsächlich als wünschenswert und heilsbringend einzustufen ist.
Patente auf Leben und Organismen?
Spätestens das drohende Aus einer der beliebtesten Speisekartoffelsorten in Deutschland, der "Linda", wirft beim Laien und normalen Verbraucher die Frage auf: Wie ist soetwas überhaupt möglich?
Patente im allgemeinen werden bekanntlich über komplizierte, kostspielige, juristische Verfahren beantragt und erteilt für geniale neue Erfindungen, die nun weltweit davor geschüzt werden sollen, von Nachahmern und Nachbauern kopiert zu werden ohne dass der Erfinder und Patentinhaber davon profitiert.
Eine ganz neue Art der Patentierung macht seit Beginn der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts die Gentechnologie möglich. Der Bann wurde mit der Patenterteilung, durch die US-Patentbehörde, für ein gentechnisch verändertes, ölfressendes Bakterium gebrochen. 1988 wird, auch in den USA, das erste Patent auf ein Säugetier angemeldet. Die sogenannte Krebsmaus ist ein gentechnisch veränderter Modellorganismus, der gezielt in der Krebsforschung eingesetzt und besonders schnell von der Krankheit erfasst wird.
Die Entschlüsselung der genetischen Codes mit Gentechnologie von Nutzpflanzen und Tieren, unabhängig davon wie lange diese schon auf der Erde existieren, definiert seitdem einen Besitzanspruch der Codeinhaber an die Sorte oder Art, vergleichbar mit einer Medikamentenrezeptur. Die Entzifferung des genetischen Alphabets - der Gensubstanz- macht nach dieser Auffassung ein Organismus voraussagbar, veränderbar, beherrschbar und damit letztendlich patentierbar. Der "Missbrauch" durch Dritte an den Eigentumsrechten eines Organismus wird so durch Gentests zweifelsfrei feststellbar und juristisch einklagbar, auch wenn sich das Gensaatgut ohne menschliches Dazutun selbst, durch Insekten oder Pollenflug auf anderem Grund vermehrt .
Diese Rechtskonstrukte sind die Grundlage für den forcierten Patent-Sammeleifer effektiver, organischer Genresourcen von Nutzpflanzen aus südlichen Hemissphären, durch Großkonzerne wie Monsanto, Bayer, Du Pont und Syngenta. Was mit dem Eigentum an den Nahrungsmitteln der Welt für die einen Gewinnmaximierung bedeutet, ist für die anderen schlichtweg Biopiraterie.
Lizensiertes Saatgut für die industrialisierte Landwirtschaft aus Monopolzuchtbetrieben- Saatgut alter Arten und Sorten für die Tresorablage?
Die bunt und reich gefüllten Obst-und Gemüseauslagen der Supermärkte und Marktstände suggerieren uns vermeintlich große Vielfalt. Doch bei genauerer Betrachtung wird schnell deutlich, das Gegenteil ist der Fall!
Ein ganzjähriges stereotypes Angebot weniger, immer gleichen Arten und Sorten wird von der Agrarindustrie, z.T. unter hohem Energieaufwand unter Glas und Plastikdächern, mittlerweile für fast den gesamten Europäischen Kontinent, erzeugt. "Mar del plastico" (Das Plastikmeer) lautet die Bezeichnung einer mehrerer tausend Hektar umfassenden Plastik-Landschaft an der spanischen Küste bei Alicante, die sogar aus dem Weltall durch Satelliten deutlich erkennbar ist.
Neben dem Hybridanbau in solchen Hallen wird für die Ausbringung von Hightech- Saatgut auf den Äckern und Freiflächen nicht nur aufwendig geforscht sondern hat sich für die agrarindustrielle Maschinerie ein Monopol der Saatgutindustrie entwickelt. Zehn Agrarkonzerne versorgen 50 % des Weltbedarfs an Saatgut und machen damit Millardengewinne.
Als Terminatoren-Saatgut bezeichnet man z. B. bei lizensiereten Getreidesorten Saat, die nach der Ausbringung im Boden nur ein einziges mal gedeiht und dessen Frucht/Samen für die Folgeaussaat genetisch unbrauchbar gemacht wurde. Damit zahlt der Bauer nicht nur entsprechende Gebühren an den Eigentümer/Inhaber dieser Sortenlizenz, sondern nach der Ernte auch das Saatgut für die nächste Saison. Neben dieser Abzocke werden so sehr enge Abhängigkeitskonstrukte der Landwirtschaft von der Saatgutindustrie geschaffen.
Das jahrhunderte alte und überlieferte Wissen der Bauern um Saatenzucht- und Vielfalt, regionale Sortenanpassung an Klima- und Krankheitsfaktoren, Fruchtfolgen, Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität wird so zum einen vollständig entkoppelt und zum anderen verschwinden mit ihm die genetische Vielfalt der Nutzpflanzen aus den Kulturlandschaften und Gärten.
Saatgut alter Arten und Sorten, das die Anmeldung beim Bundessortenamt nicht schafft, das nicht mehr angebaut wird und verloren geht oder dessen Lizenzeigentümer es vom Markt nimmt um einen Nachbau durch andere zu verhindern, verschwindet im besten Fall in den Tresoren von Saatgutbanken. Neben dem Risiko der Auflösung/des Verschwindens solcher Banken und der genetischen Manipulation der Samem durch Genforschungseinrichtungen, die z. T. unter dem selben Dach solcher Banken sitzen, wird die Unsinnigkeit offenbar. Saatgut und Samen von Nutzpflanzen einer bestimmten Region, die sich über Jahre oder Jahrzehnte nicht mehr den Umweltfaktoren auf natürliche Weise in den Böden evolutionär anpassen konnten, werden in einer klimatisch veränderten Welt mit neuen Krankheiten und Schädlingen mit Sicherheit nicht mehr existieren können.
Der Verlust an genetischer Arten-und Sortenvielfalt wird also bewusst durch eine Mehrertragswirtschaft erkauft. Die enge Verflechtung von Gesetzgebung, ergo der Politik, Agrarindustrie, Lebensmittelindustrie und Saatgutmonopol machen das vorherschende Subventions-Sytem zu einem Spielfeld der Lobbyisten. Nicht von ungefähr verfügt die Agrarlobby, als einziger Industriezweig in der Bundesrepublik, über ein eigenes Bundesministerium.
Wieder besseren Wissens fährt man aber weiter mit Vollgas in die Sackgasse hinein, in der Hoffnung, dass es so lange gut gehen möge, wie man die Wahrheitsverdrängung aufrecht erhalten kann. Das Ende des Erdöls, Lohnkostensteigerungen in den jetzigen Boomindustrien der Schwellenländer (China, Indien, Brasilien) durch steigenden Wohlstand, verbunden mit der globalen Wirtschaftsmachtverschiebung gen Südostasien und elementare Klimaschäden für die Volkswirtschaften, einhergehend mit Hungersnöten und chronischem Trink-/Brauchwassermangel lassen erahnen, dass Landwirtschaft und Ernährung der Zukunft nicht in den Bilanzbüchern von Konzernen, Industriebetrieben und in proindustriellen Gesetzesblättern gelöst werden können.
Bleibt nur zu hoffen, dass wenn man sich dann auf die eigenen Gen-Resourcen berufen muss, es auch noch kann.
Im Kasten oben links finden Sie Bezugsquellen von samenfestem (nachzuchtfähigem), ökologischem und gentechnikfreiem Saatgut.
Bei C-R erhalten Initiativen, Züchter, Baumschulen, Gärtner, etc., die sich aktiv für den Erhalt, die Vermehrung und Verbreitung von seltenen regionalen Nutz-Kulturpflanzen einsetzen, die Möglichkeit der kostenfreien Präsentation und Vermarktung ihrer Erzeugnisse.
