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Gefährdetes Streuobst

Was ist Streuobst?

Charakteristisch für traditionelle Streuobstwiesen sind Hochstamm-Obstbäume meist unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Arten und Sorten. Die Bewirtschaftung dieser Streuobstwiesen erfolgt extensiv, ohne den Einsatz von chemischen und syntetischen Mitteln. Je nach Art des Obstes befinden sich auf einem Hektar Streuobstwiese lediglich zwischen 60-120 Hochstammbäume. Mit der sogenannten Obernutzung der Bäume wird die Obstgewinnung bezeichnet während die Unternutzung einerseits die Pflege der Wiese zur Heugewinnung sein kann oder Weidenutztieren als Futterquelle zur Verfügung steht. Eine sehr wichtige symbiotische Rolle dabei spielt die Imkerei. Neben der Bestäubung der Blütenstände entstehen so unverwechselbare und einmalige Honigsorten. Mit Streuobstäckern findet man in Süddeutschland (Franken, Südbaden) und in Ostdeutschland (Sachsen-Anhalt, südliches Brandenburg) noch eine Sonderform des Obstanbaus vor, die bis weit ins 20. Jahrhundert in ganz Mitteleuropa weit verbreitet war. Auch Obstalleen an alten Landstraßen und Einzelbäume in Gärten und an Waldrändern werden zum Streuobstbau gerechnet. Neben den ökologischen und landschaftsprägenden Eigenschaften des Streuobstanbaus im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kamen ihm auch eine große kulturelle und soziale Bedeutung zu.

Im Gegensatz dazu wird heute der Großteil des heimischen Obstes in konventionellen Intensivbauplantagen erzeugt. Durch die erheblich höhere Menge von Stämmen pro Hektar (bis zu 3.000 Stück), die meistens nur eine hochgezüchtete Sorte tragen, die den hohen Ansprüchen des Handels genügen muss, kann hier auf den Einsatz von chemischen Mitteln nicht verzichtet werden.

Gefährdung und Rückgang 

Die Ausdehnung von Gewerbegebieten und Neubauflächen auf ehemaligen dörflichen Streuobstgürteln, der Umbau zu einer industriellen Hochleistungslandwirtschaft, Billigimportobst, Fruchtsaftgewinnung aus fernöstlichen Konzentraten, Fruchtaromeneinsatz in der Lebensmittelindustrie, nivilierte Qualitätsanforderungen des Handels und der Bürokratie, Abholzung von Alleeobstbäumen für Straßenbaumaßnahmen und z. T. staatlich gezahlte Rodungsprämien führten bis heute dazu, dass die Streuobstwiese zu einem der gefährdetsten Biotope, nicht nur in Deutschland, gehört. Verschiedene Erhebungen ergaben, dass die Gesamtbestände von Steuobstwiesen und Pflanzungen, alleine in dem Zeitraum zwischen 1965 und 2000, um bis zu 70 % in Deutschland zurückgegangen sind. Neben den bereits genannten Gründen führen auch das Nichtersetzen alter und abgestorbener Bäume durch Neupflanzungen, die mangelnde Pflege von Beständen und die Umwandlung der fruchtbaren Böden zu anderem Nutzland, zu dem dramatischen und kontinuierlichen Verlust, insbesondere anspruchsvoller Streuobstsorten. Auch in diesem Bereich wird der intensive und konventionelle Plantagenobstbau gegenüber dem Streuobstanbau von staatlicher Seite finanziell gefördert bzw. begünstigt, was den Absatz von Streuobstprodukten zusätzlich erschwert.

Genetische Robustheit von Streuobstsorten

Alte und regionsspezifische Sorten wurden oder haben sich in einer Zeit entwickelt, in der der Einsatz von Insektiziden oder Pestiziden noch völlig unbekannt war. Die jahrzehnte oder gar jahrhunderte lange Standortanpassung dieser Sorten an klimatische und bodenspezifische Bedingungen und ihre natürliche Resistenzentwicklung gegenüber Krankheitserregern und Schädlingen, ließen sie ihre Robustheit entwickeln. Das wertvolle und große genetische Potential von Lokalsorten, die z. T. nur auf wenige Dörfer einer Region beschränkt waren, machen den extremen Gegensatz zu den wenigen Kultursorten des Intensivobstbaus offenbar, deren Züchtung weitestgehend auf die selben Ausgangs-/Elternsorten zurückzuführen sind.

Biodiversität von Streuobstwiesen

Bearbeitete und gepflegte Streuobstwiesen bieten je nach Ausdehnung und Lage bis zu 5.000 verschiedenen Tierarten einen Lebensraum, wobei Insekten, Spinnen, Käfer und viele andere Kleinsttiere die Mehrheit bilden.
Honigbienen, die u. a. auch in Hohlstämmen der Bäume überwintern können, spielen dabei für die Bestäubung der Obstbäume die wichtigste Rolle. Neben dieser Vielfalt an Insekten bilden die Früchte in den Baumkronen eine üppige Nahrungsquelle für ebenso zahlreiche und seltene Vogelarten. Totholz und Hohlräume der Obstbäume schaffen auch Lebens-und Rückzugsräume für Eule, Kauz, Wendehals, Siebenschläfer und Fledermaus.

Eine extensive Beweidung mit Nutztieren oder schonende Heugewinnung durch Mähen, führt in Zusammenwirkung mit optimaler Lichteinwirkung durch die Freiräume der Baumkronen, zu einem ebenso artenreichen Bodenlebensraum. Die sogenannte Krautschicht wird bewachsen von vielen unterschiedlichen Gräsern, Wild-und Heilkräutern, Blumen und Staudenpflanzen. Dieses Artenreichtum der Bodenflora führt durch die wechselseitige Aufnahme und Abgabe von Nährstoffen zu einer sehr vitalen, mikrobiellen Bodenstruktur. Solche Böden sind durchsetzt von Regenwürmern und anderen Kleinsterdbewohnern, die zur Lockerung und natürlichen Düngung beitragen.

Der facettenreiche Wechsel von Lichtverhältnissen und Bodenfeuchte zwischen den Hochbäumen einer Streuobstwiese, die Bodenlagerung von Schnittholz und z. T. vorhandene Feldsteinmauern oder Aufhäufungen bieten auch einen idealen Lebensraum für Reptilien und Amphibien.

Der Igel, Mäuse, Feldhase und Kaninchen finden sich in solch einer halboffenen, artenreichen Kulturlandschaft rasch als sogenannte Kulturfolger ein.

Aufpreisvermarktung von Streuobst

Um dem fortschreitenden Verlust der genetischen Vielfalt von Streuobst entgegen zu wirken, tragen in Deutschland, neben vielen regionalen Streuobstinitiativen und Fördervereinen, vor allem der NABU (Bundesfachausschuss Streuobst), der BUND und der Pomologenverein mit umweltpädagogischen Veranstaltungen und Vermarktungsaktivitäten zu einer effektiven Vermarktung bei. Im Vordergrund steht dabei vor allem die Entwicklung und Förderung einer wirtschaftlich tragfähigen und nachhaltigen Landnutzung. Ein tragendes Modell dabei ist die sogenannte Aufpreisvermarktung. Die Landwirte und Erzeuger von Streuobst verpflichten sich gegenüber den Abnehmern ausschließlich unbehandeltes, chemiefreies Hochstammobst zu liefern bzw. es regional zu verwerten. Dafür bekommen sie einen Aufpreis bezahlt, der zwischen 14,00 € - 20,00 € für einen Doppelcentner beträgt. Im Vergleich dazu werden für die gleiche Menge konventionell erzeugten Plantagen-Obstes lediglich 5,00 € - 10,00€ gezahlt. Der Endverbraucher kann so, z. B. bei Direktfruchtsäften, durch die Entrichtung eines geringen Preisaufschlages von 5 - 10 Cent je Lieter, maßgeblich zur Erhaltung des Streuobstbaus beitragen.

Bei C-R erhalten regionale Erzeuger von Streuobst und der direkt daraus hergestellten Produkte die Möglichkeit der kostenfreien Präsentation und Vermarktung ihrer Erzeugnisse.